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Movie OS, (dt. "Film Betriebssystem") manchmal auch Hollywood OS, MovieOS, Viewer-Friendly Interface oder Cinema OS, bezeichnet die Gattung von graphischen Benutzeroberflächen für Computersysteme (GUI), die häufig in Filmen zu sehen sind. Bei diesen Benutzeroberflächen handelt es sich um zumeist graphisch aufwändige Visualisierungen eines Pseudobetriebssystems.

Wesentliche Eigenschaften

Movie OS sind produktiv nicht einsetzbare graphische Bedienoberflächen. Sie dienen lediglich zum Zwecke der Illusion für einen bestimmten Film. Gemeint ist neben der Softwarekomponente üblicherweise auch die Hardware auf der die Bedienoberfläche gezeigt wird. Eine echte Interaktion mit diesen Bedienoberflächen ist dabei zumeist nicht möglich. Stattdessen werden zuvor aufgezeichnete oder programmierte Interaktionssequenzen abgespielt. In vielen Fällen besitzen Movie OS ein futuristisches Design, häufig in 3D-Optik, um das Aussehen von dem gewöhnlicher Betriebssysteme (bspw. Microsoft Windows, Apple Mac OS) abzugrenzen. Daneben dienen Movie OS auch zur besseren Lesbarkeit in Filmen. Angezeigte Informationen erscheinen in großen Lettern, Piktogramme und Bilder sind im Vergleich zu regulären Betriebssystemen überdimensioniert, um auch eine gute Lesbarkeit auf den Kinoleinwänden und Fernsehbildschirmen späterer Zuschauer zu ermöglichen [1].

Da Movie OS von den jeweiligen Filme- oder Serienmachern erstellt werden, gibt es keine Standards bezüglich des Funktionsumfangs oder Aussehens. Einige Charakteristika werden allerdings von einer besonders großen Anzahl von Movie OS geteilt und unterscheiden Movie OS von realen Betriebssystemen [2][3]:

  • Warnmeldung erscheinen in besonders großen Buchstaben und roter blinkender Schrift.
  • Passwörter werden im Klartext angezeigt.
  • Falscheingaben von Passwörtern werden mit dem Erscheinen von Totenköpfen quittiert.
  • Das Erraten eines Passworts durch einen Menschen kann in einem Zeitraum weniger Minuten erfolgen.
  • Auf dem Bildschirm angezeigte Objekte bewegen sich.
  • Sehr einfache und scheinbar intuitive Bedienbarkeit
  • Datenträger und Datenformate besitzen sehr große Kompatibilität zwischen unterschiedlichsten Systemen und Programmen.
  • Durchsucht der Computer seinen Datenbestand bspw. nach Personendaten oder einem speziellen Foto einer gesuchten Person, wird jedes einzelne Datum (Foto) des gesamten Datenbestands in einer hohen Geschwindigkeit auf dem Bildschirm angezeigt.
  • Jede Eingabe wird mit einem Geräusch quittiert.
  • Werden an den Computern Tastaturen genutzt, so ist eine Verwendung der Leertaste nicht notwendig.

Seltenere Verhaltensweisen:

  • Bei der Falscheingabe von Passwörtern zeigt ein endlicher Fortschrittsbalken die Anzahl der noch möglichen Fehleingaben an, um die Spannung zu steigern.
  • Die Benutzerauthentifizierung erfolgt über biometrische Merkmale wie Fingerabdrücke oder Irisscan.
  • Insbesondere in den 90er Jahren wurden E-Mail-Symbole und Geräusche des Internet Zugangsanbieters AOL verwendet, der eine hohe Verbreitung insbesondere in den USA hatte und damit als wiedererkennbarer Standard für den Vorgang des E-Mail-Versands in Filmen genutzt wurde (bspw. in E-m@il für Dich).
  • Es stehen jederzeit und überall breitbandige Anbindungen an das Internet zur Verfügung.

Oberflächenvariationen

Die Bedienoberflächen und Computerformen lassen sich grob drei Gruppen zuordnen:

  • Hackernostalgie: Eine eher einfach gehaltene Bedienoberfläche erscheint in grüner Schrift auf schwarzen Hintergrund. Diese Form der Bedienoberfläche wird in Filmen vor allem von ausgewiesenen Hackern verwendet.
  • Zeitgemäß: Auf einer der Entstehungszeit des Films angepassten Computerform (bspw. Flachbildschirm mit Computertastatur) erscheint eine Bedienoberfläche. Diese Art der Bedienoberfläche wird bspw. in Filmen bei Polizeibehörden eingesetzt, die in der Gegenwart spielen.
  • Futuristisch: Bei dieser Variante wird häufig vom klassischen Computerdesign mit stationären Bildschirm auf dem Schreibtisch abgewischen. Stattdessen erfolgt die Interaktion mit neuartigen Panels oder Lichtplatten. Viele Movie OS zeigen dabei Möglichenkeiten für neuartige Bedienkonzepte auf wie beispielsweise Gestensteuerung durch Handbewegungen, Interaktion durch Spracherkennung, berührungsempfindliche Oberflächen oder fließende Oberflächenformen. Da Movie OS nicht wirklich bedienbar sein müssen, hat sich in Filmen eine große Variabilität von Bedienkonzepten verbreitet.

Movie OS müssen immer im Kontext ihrer Entstehungszeit betrachtet werden. Durch die Schnelllebigkeit der Betriebssystementwicklung wirken bspw. in den 80er Jahren als futuristisch konzipierte Movie OS heutzutage teilweise wie alte Betriebssystem.

Beispiele für den Einsatz von Movie OS in Filmen und Serien

  • The Matrix: Grüne sich vertikal über den Bildschirm bewegende Schriftzeichen
  • Minority Report: Flexible Bedienelemente auf einer transparenten Bedienoberfläche lassen sich durch Gestenbewegungen der Hände steuern.
  • Knight Rider: Bei der Suche durch den Computer nach Personenprofilen werden die Fotos aus der Datenbank einzeln angezeigt.

Einzelnachweise

  1. vgl. Cunningham & Cunningham, Inc.: Hollywood OS (engl.), 15. September 2007
  2. vgl. Brian Smith: HollywoodOS™, the operating system of the stars! (engl.), 2000
  3. vgl. Jacob K. Matthews: COMPUTERS & ELECTRONICS (engl.), 17. September 1996

Weblinks